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Integrierte Versorgung Demenz wird in ganz Oberösterreich angeboten

Immer mehr Menschen werden in den nächsten Jahren an Demenz erkranken. Die Gesellschaft wird immer älter, die Lebenserwartung steigt und damit auch die Anzahl der an Demenz – Alzheimer Betroffenen. Die OÖGKK und das Land Oberösterreich haben sich daher für einen neuen Weg in der Betreuung entschieden: Die Integrierte Versorgung Demenz OÖ (IVDOÖ) verbessert die Lebensqualität der Betroffenen und ihrer Angehörigen. Nach positiver Evaluierung wird das Programm nun in den Regelbetrieb übernommen und schrittweise auf ganz Oberösterreich ausgeweitet.   Das hat die Landeszielsteuerungskommission in ihrer Sitzung am 24. Mai 2019 beschlossen. 

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110.000 Menschen sind in Österreich an Demenz erkrankt. Laut Schätzungen der Österreichischen Alzheimer Gesellschaft ÖAG wird die Zahl bis zum Jahr 2050 auf etwa 230.000 steigen, sich also mehr als verdoppeln.

Als Demenz bezeichnet die Medizin verschiedene Krankheitsbilder des Gehirns, die durch fortschreitende Schädigung und Zerstörung von Nervenzellen im Gehirn entstehen. Störungen der Hirnfunktionen, die Gedächtnis, Sprache, Orientierung, Auffassung oder Urteilsvermögen betreffen, sind die Folge. Die häufigste Form ist Alzheimer. Demenz ist immer eine fortschreitende und unheilbare Krankheit. Trotzdem gibt es viele Möglichkeiten, das Leben der Betroffenen und ihrer Familien zu verbessern.

„Die Integrierte Versorgung Demenz OÖ bedeutet für die Betroffenen und ihre Familien einen deutlichen Gewinn an Lebensqualität. In den Demenzberatungsstellen beantworten Expertinnen und Experten in einem verständnisvollen Umfeld Fragen zur aktuellen Situation. Pflegende Angehörige werden im Umgang mit den Erkrankten geschult. Durch ein gezieltes, an den Krankheitsverlauf angepasstes Training verzögert sich der Krankheitsverlauf. Immer mehr Menschen werden in Zukunft Unterstützung brauchen. Daher ist es ein Gebot der Stunde, dass wir nun ressortübergreifend als Land OÖ gemeinsam mit der OÖGKK unser erprobtes Modell ausrollen, mit dem Ziel eines flächendeckenden Angebots in ganz Oberösterreich“, betont LH-Stellvertreterin
Mag.a Christine Haberlander, deren Gesundheitsressort den Hauptteil der Finanzierung übernimmt.

„Mir ist es besonders wichtig, Menschen mit Demenz nicht zu stigmatisieren, sondern ihnen so lange wie möglich ein qualitätsvolles Leben in der Mitte der Gesellschaft anzubieten. Die Ausrollung der Demenzberatungsstellen und die Integrierte Versorgung Demenz in den Pilotaltenheimen sind wichtige Schritte, um den Betroffenen und ihren Angehörigen bestmögliche Unterstützung anzubieten. Zusätzlich fordere ich vom Bund, dass Demenz bei der Pflegegeldeinstufung stärker berücksichtigt wird. Konkret erwarte ich mir, dass Personen mit Demenz in jedem Fall um eine Stufe höher bewertet werden. Das hat mehrere Vorteile: In der Betreuung zu Hause werden Demenzerkrankte finanziell bessergestellt und im stationären Bereich kann mehr Personal zur Verfügung gestellt werden“, sagt Sozial-Landesrätin Birgit Gerstorfer. 

 

„Gemeinsam mit dem Land Oberösterreich haben wir dieses wichtige Thema erkannt und in einem Pilotbetrieb erfolgreiche Konzept erprobt. Umso mehr freut es uns jetzt, dass wir gemeinsam die notwendigen Mittel aufbringen und ganz Oberösterreich dieses neue Angebot zur Verfügung stellen zu können“, meint der Obmann der OÖGKK,
Albert Maringer. In der Sitzung der Landeszielsteuerungskommission wurde die Ausrollung bzw. Überführung in den Regelbetrieb offiziell beschlossen. Die Gesamtkosten belaufen sich auf rund 1,79 Millionen Euro. Davon werden rund 1,1 Millionen Euro vom Land OÖ (aus dem Gesundheitsressort und dem Sozialressort) getragen. Die Umsetzung und Organisation übernimmt das IVD-Management der OÖGKK.

 

„Integrierte Versorgung Demenz“

Auf Basis der österreichischen Demenzstrategie hat Oberösterreich ein Versorgungskonzept für Menschen mit Demenz und deren Angehörige ausgearbeitet und seit 2013 erfolgreich erprobt. Die IVDOÖ umfasst zwei Säulen, Demenzberatungsstellen und Demenzangebote in Alten- und Pflegeheimen:  

  1. Die Demenzberatungsstellen bieten niederschwellige Angebote für Personen im häuslichen Umfeld und deren Familien. Das sind unter anderem Beratung, klinisch psychologische Testung und Ressourcentraining für die Betroffenen sowie Belastungstestungen und Schulungen für die Angehörigen. Die Evaluierung hat den Demenzberatungsstellen im Pilotbetrieb im Bezirk Kirchdorf und in der Stadt Wels eine hohe Zufriedenheit der Nutzerinnen und Nutzer zugesprochen sowie eine gute Kosten-/Nutzenrelation attestiert. Die Lebensqualität der Menschen mit Demenz und deren Angehörigen hat sich verbessert, der Krankheitsverlauf durch Ressourcentraining verzögert. Angehörige, aber auch Hausärzte wurden durch das neue Angebot entlastet. Bis 2025 sollen rund 2,600 Patienten mit der IVDOÖ versorgt werden, elf Demenzberatungsstellen werden schrittweise aufgebaut.
  2.  In den Alten- und Pflegeheimen soll die Lebensqualität der Bewohner mit Demenz verbessert werden. Das Konzept umfasst einen fachärztlichen, psychologischen und pflegefachlichen bzw. betreuerischen Ansatz. Eine interdisziplinäre Zusammenarbeit und individuell abgestimmte wöchentliche Gruppenangebote wurden entwickelt. Die Evaluationsergebnisse der fünf Pilot-Alten- und Pflegeheime in Wels, Ternberg, Mauerkirchen und Kalham bestätigen den Ansatz.

 

Das Risiko an Demenz zu erkranken, steigt mit fortschreitendem Lebensalter. 25 bis 30 Prozent der über 85-Jährigen müssen damit rechnen an Demenz zu erkranken. Demenz hat große Auswirkungen auf das Leben der Betroffenen und ihrer Angehörigen. Für die Patienten wird es zunehmend schwieriger, den Alltag zu bewältigen. Sie verlieren jegliche Selbständigkeit und werden pflegebedürftig. An die 80 Prozent der Erkrankten werden laut ÖAG in Oberösterreich von der Familie betreut, mehr als ein Viertel der Betreuerinnen und Betreuer ist selbst über 60 Jahre alt. Stoßen die Familienmitglieder an ihre eigenen Grenzen, übersiedeln Demenzerkrankte ins Alten- oder Pflegeheim.

 

„Die Diagnose Demenz löst bei Betroffenen und deren Angehörigen unglaubliche Ängste, Unsicherheit und viele Fragen aus. Wir setzen daher bewusst auf niederschwellige Angebote, um die Menschen möglichst rasch zu erreichen und ihnen unnötige Hemmschwellen zu nehmen. Beim Erkennen erster Anzeichen sollen Betroffene und ihre Angehörigen rasch eine kompetente Beratung und eine strukturierte Betreuung erhalten. Dieses Angebot bringt mehr Lebensqualität für die gesamte Familie“, so die Direktorin der OÖGKK, Mag. Dr. Andrea Wesenauer. 

 

Mehr Infos unter: www.ooegkk.at/

 

Rückfragen:

Mag. Ulrike Bauer | Tel. 05 78 07 - 10 22 12 | ulrike.bauer@ooegkk.at 

Infos und Downloads:

www.ooegkk.at

 

Zuletzt aktualisiert am 04. Juni 2019